Leitideen der Umweltbildung

Lehrerfortbildung zu Nutzpflanzen im Botanischen Garten

Erhalt der biologischen Vielfalt

Das Aufzeigen der Bedeutung der genetischen Vielfalt, der Vielfalt der Arten und der Vielfalt der Lebensräume gehört zu den Leitzielen des Botanischen Gartens Erlangen und umfasst den Bildungsauftrag der Bewusstseinsbildung für die Bedeutung der Pflanzen als Lebensgrundlage für den Menschen. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist aus diesem Grund eng verknüpft mit einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Genetische Vielfalt am Beispiel spezieller Pflanzensammlungen mit hoher Sortenvielfalt: Getreide, Fuchsien, Pelargonien
Umsetzung: Bedeutung der genetischen Vielfalt für den Menschen am Beispiel der jährlichen Apfelsortenausstellung, optimierte Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltfaktoren durch genetische Vielfalt am Beispiel der Ausstellung `Die Letzten ihrer Art´ 2015, öffentliche & individuelle Führungen

Vielfalt der Arten am Beispiel von Pflanzensammlungen mit artenreichen Gattungen und deren Entwicklung vor dem Hintergrund einer adaptiven Radiation: Kanarengewächshaus, Artenvielfalt durch Anpassungen an verschiedene Bestäuber in der ökologisch-morphologischen Anlage, hoher Artenreichtum spezifischer Pflanzenfamilien aufgrund von hoher genetischer Plastizität am Beispiel der Orchideensammlung
Umsetzung: Artenvielfalt im Regenwald als Bestandteil des Lernzirkels zum Tropischen Regenwald, Umweltpädagogisches Angebot `Nektar, Duft & Farbe´ zur Artenvielfalt durch Anpassungen an verschiedene Bestäuber, Schmetterlingsprojekt, Ausstellungen zur Artenvielfalt (`Nektar, Duft und Farbe: Marketing im Pflanzenreich´ 2014, `Die Letzten ihrer Art´ 2015, `Nuss- und Mandelkern´ 2016), öffentliche & individuelle Führungen

Vielfalt verschiedener Lebensräume und Ökosysteme am Beispiel von Pflanzensammlungen zur heimischen Teichvegetation, Sandtrockenrasen, Moor, Subalpinum, Alpinum, Steppe, tropischer Regenwald, Bergregenwald, Mangrove
Umsetzung: Gezielte Gestaltung des Gartens nach unterschiedlichen Lebensräumen und Ökosystemen, jährliche Ausstellungen, die die unterschiedlichen Lebensräume vorstellen und die Anpassungen der Pflanzenarten an diese verdeutlichen (`Wasser für Alle´ 2013, `Die Letzten Ihrer Art´ 2015, `Expedition ins Unbekannte´ 2017), öffentliche & individuelle Führungen

Individuelle, emotionale Wertschätzung / Eigenwert der Natur

Der aktive Schutz der eigenen Lebensumwelt basiert auf der subjektiven individuellen Wahrnehmung unserer Besucher. Die emotionale, ästhetische und kulturelle Wertschätzung der Natur ist deshalb ein wichtiger Motivationsfaktor, um Besucher zu nachhaltigem und reflektiertem eigenen Handeln anzuregen. Aus diesem Grund bieten wir unseren Besuchern verschiedene Erfahrungsmöglichkeiten und möchten so den Blick für die faszinierende Vielfalt und die unterschiedlichen Zusammenhänge in der
Natur schärfen. Über erlebnispädagogische Ansätze und die Wahrnehmung mit allen Sinnen sind die Teilnehmer selber aktiv und können auf diese Weise ihre Wertschätzung der Natur vertiefen.

Emotionale Wertschätzung fördern: Naturerfahrungen, Lerngelegenheiten im Garten, Entschleunigung
Umsetzung: Gezielte Gartengestaltung: Sitzgelegenheiten, Schau-Bienenkasten, Totholz-Biotop, Feuchtbiotope mit Amphibien, gezieltes Schaffen von Geruchserlebnissen in der Sammlung der Duftpelargonien, Wintervogelfutterstelle des LBV, etc.

Ästhetische Wertschätzung fördern: Inszenierung eines idealisierten Naturbildes, Schaffen von Blüh-Höhepunkten
Umsetzung: Kursangebot zu Botanischer Illustration, Fotowettbewerb zur Titelseite des Palmenblattes, Schaffung einer Plattform zum Teilen von Fotos und Natureindrücken durch Angebote sozialer Medien.

Kulturelle Wertschätzung fördern: Kunstausstellungen, Skulpturen und Installationen greifen ästhetische Beziehungen zwischen sich verändernder Naturwirklichkeit und künstlich generierter Natur auf und eröffnen neue Blickwinkel auf die Pflanzen und den Garten und machen sie so neu erlebbar.
Umsetzung: Ausstellungen zu zeitgenössischer Kunst im Garten (garten_projekt 2012, Ausstellung von Skulpturen des Bildhauers Prof. Christian Rösner 2014, Sehnsuchtsort 2016, Ausstellung studentischer Skulpturarbeiten zu dem Thema `Die Natur als Mutter unserer Ästhetik´ 2019 und 2020, Teilnahme am Figurentheater Festival der Stadt Erlangen, Teilnahme am Internationalen Comic Salon der Stadt Erlangen, Teilnahme am Poetenfest der Stadt Erlangen)

Bildung für Nachhaltige Entwicklung

In unseren Bildungsangeboten setzen wir uns gezielt ganzheitlich mit den ökologischen, sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Aspekten (bzw. Dimensionen) der Beziehung des Menschen zu seinen Lebensgrundlagen auseinander. Wir richten uns hierbei nach dem Ansatz der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und nach dem Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung. Mit einer visionsorientierten Didaktik und einer positiven Einstellung zu einer Hoffnung auf die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft möchten wir Glück im Kontext einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung erlebbar machen.

Umsetzung: Kooperation mit dem Dritte Welt Laden Erlangen (alle Dimensionen) , Umweltpädagogisches Angebot `Nachhaltige Expedition um die Welt´ (alle Dimensionen), Lernzirkel zum Tropischen Regenwald (ökologische & wirtschaftliche Dimensionen), jährliches Ferienprogramm (wechselnde Dimensionen), Ausstellungen zu verschiedenen Themen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (`Ein Lied für den Bambus´ 2012 (wirtschaftliche, soziale & ökologische Dimension), Wasser für Alle´ 2013 (alle Dimensionen), `Süße Versuchungen: Von Kakao und Schokolade´ 2013 (alle Dimensionen), Nachwachsende Rohstoffe `NaWaRo´ 2016 (alle Dimensionen), jährliche Apfelausstellung (ökologische & wirtschaftliche Dimension auf regionaler Ebene), Lehrerfortbildung `Nutzpflanzen im Botanischen Garten´ 2017 (alle Dimensionen), öffentliche & individuelle Führungen

Wissenserwerb, Begriffsbildung

Die Auseinandersetzung mit Natur und Umwelt setzt einen konstruktiven Umgang mit Informationen bei oft unsicherem und kontroversem Umweltwissen voraus. Dazu gehört die Erschließung von Fachwissen und die Auswertung gegensätzlicher Aussagen. Durch unsere Arbeit möchten wir unseren Besuchern ermöglichen, sich ein tieferes Verständnis komplexer Ursachen, Beziehungen, Abhängigkeiten und Hintergründe zu erarbeiten.

Umsetzung: Fortbildung durch Experten unterschiedlichster Fachrichtungen in Vorträgen und öffentlichen Führungen (Nachwachsende Rohstoffe (Dritte Welt Laden Erlangen), Pharmazie (Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie der FAU), Obstbau (Obstversuchsanlage in Hiltpoltstein), Gemüsebau (Ökologischer Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg der Bayer. Landesanstalt für Wein- & Gartenbau), Artenschutz (Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken), Insekten (Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie, Fachberatung für Bienen der Bayer. Landesanstalt für Wein- & Gartenbau), Fledermäuse und Vögel (LBV), Bionik (Excellence Cluster for Advanced Materials der FAU), Aromen (Lehrstuhl für Aroma- und Geruchsforschung der FAU), Umweltpädagogische Angebote für Schulklasssen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten, jährliche wechselnde Ausstellungen, wechselnde Beschilderung im Garten zur Schaffung abwechslungsreicher Lerngelegenheiten.

Sozio-Ökologische Umweltbildung

Um gute Voraussetzungen eigener Handlungsmöglichkeiten aufzeigen zu können, ist unser Angebot am Umfeld der Betroffenen ausgerichtet und arbeitet mit Anknüpfungspunkten aus Alltagssituationen. Auf diese Weise können die Ursachen und Folgen unseres Handelns auf Natur und Umwelt reflektiert werden. Wir greifen aktuelle ethische, soziale und gesellschaftliche Fragestellungen auf und gehen bei der Planung und Konzeption unseres Bildungsangebotes darauf ein.

Umsetzung: Informationen zu einem bewussten individuellen Konsum und zum Abbau von Konsumorientierung (Kooperation mit dem Dritte Welt Laden Erlangen, Kooperation mit der Obstbauversuchsanlage in Hiltpoltstein, Ausstellungen mit unterschiedlichen museumspädagogischen Partizipationsmöglichkeiten und konsumkritischen Beiträgen (`Wasser sichtbar machen´ 2013, `Süße Versuchungen: Von Kakao und Schokolade´ 2013, Nachwachsende Rohstoffe `NaWaRo´ 2016), Anregungen zu einer umweltbewussten Gestaltung öffentlicher Freiräume und privater Gärten (Ausstellung zur Artenvielfalt durch Bestäuber `Nektar, Duft und Farbe: Marketing im Pflanzenreich´ 2014), Umweltpädagogische Angebote für Schulklasssen (`Nachhaltige Expedition um die Welt´, `Lernzirkel zum Tropischen Regenwald´, jährliches Ferienprogramm), öffentliche & individuelle Führungen

Situationsorientierte Didaktik

Im Dialog mit unseren Besuchern nehmen wir deren Interessen und Bedürfnisse wahr und gehen auf diese ein. Wo es möglich ist, sollen in diesem Zusammenhang Lernerfahrungen erlebbar gemacht werden. Besucher, die Interesse an bestimmten Themen zeigen, sind motiviert und aufnahmebereit.

Umsetzung: Anpassung der Garten-Beschilderung an jahreszeitlich auftauchende Fragen unserer Besucher, Reaktion & Aufnahme von Feedback aus Evaluierungsbögen, Rücksichtnahme auf und Nachfrage nach individuellen Interessen & Wünschen unserer Teilnehmer zu Beginn von Führungen

Kooperationen und Öffnung nach Außen

Um möglichst viele verschiedene Aspekte einer Umweltbildung und einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung fachkundig vermitteln und umsetzen zu können, arbeiten wir gezielt an Kooperationen und beteiligen uns an regionalen Netzwerken. Wir arbeiten mit einem kompetenten Team von Umweltpädagogen, die individuelle Wünsche der Teilnehmer berücksichtigen und über ein breites Fachwissen in unterschiedlichen Fachbereichen verfügen. Mit Hilfe von regionalen Kooperationspartnern wie beispielsweise dem Dritte Welt Laden in Erlangen, der Obstbauversuchsanlage in Hiltpoltstein, der Stadt Erlangen, dem ökologischen Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg, dem Bund Naturschutz oder dem LBV bauen wir unser Bildungsangebot weiter aus und ermöglichen unseren Besuchern Einblicke in vielfältige Themenbereiche. Über das regionale Netzwerk `Bildung für Umwelt und Nachhaltigkeit´ sind wir im Raum Erlangen gut eingebunden. Das im Rahmen des Weltaktionsprogramms Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnete Netzwerk der AG Bildung im Verband Botanischer Gärten ist für uns von großer Bedeutung und vernetzt den Botanischen Garten auch überregional mit wichtigen Akteuren der Umweltbildung. Als Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung.Bayern ist der Botanische Garten ausgezeichneter Akteur einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung.