Die Neischl-Höhle

Ein Baudenkmal mit Geschichte

Führung mit Prof. Dr. Roman Koch und Dr. Walter Welß
Sonntag, 11. Oktober 2026, 11:00 Uhr
Treffpunkt: Eingang zu den Gewächshäusern

Eingebettet in die Vegetation des Buchenwaldes im Botanischen Garten findet sich eines der ungewöhnlichsten Baudenkmäler des Botanischen Gartens: die Neischl-Höhle. Die künstlich geschaffene Tropfsteinhöhle verbindet auf besondere Weise Geologie, Wissenschaftsgeschichte, Gartenkunst und Bautechnik. Entworfen wurde sie von Major Dr. phil. Adalbert Neischl, der sich intensiv mit den Höhlen und der Landschaft der Fränkischen Alb beschäftigte. Gemeinsam mit einem Landschaftsmodell wurde die Anlage 1906 erstmals auf der Bayerischen Jubiläums-Landes-Ausstellung in Nürnberg präsentiert. Bereits ein Jahr später ließ Neischl die Höhle auf eigene Kosten nach Erlangen übertragen und schenkte sie der Universität.

Das Ensemble sollte seinen Besucherinnen und Besuchern die Geologie und typische Landschaft der Fränkischen Schweiz unmittelbar vor Augen führen. Während das benachbarte Schichtenmodell den Aufbau des Fränkischen Jura vom Dogger bis zu den Kalk- und Dolomitgesteinen des Malm veranschaulicht, entstand im Inneren der Höhle eine nahezu lebensgroße Nachbildung charakteristischer Höhlenformen. Tropfsteine, Sinterbecken, Höhlengänge und weitere Formationen orientieren sich dabei teilweise an konkreten natürlichen Vorbildern aus der Fränkischen Alb. Neischls Anliegen war es, diese Landschaft und ihre geologischen Besonderheiten auch Menschen zugänglich zu machen, die selbst keine Möglichkeit hatten, die Fränkische Schweiz zu bereisen. Auch bautechnisch ist die Neischl-Höhle bemerkenswert. Ihre ursprüngliche Konstruktion bestand aus einem Holzgerüst und Drahtgewebe, auf das Mörtel und Zement aufgebracht wurden. Diese für ihre Zeit innovative, aber gegenüber Feuchtigkeit äußerst empfindliche Bauweise führte schon früh zu erheblichen Schäden. In den 1930er-Jahren stürzten Teile der Anlage ein, spätere Reparaturversuche konnten den fortschreitenden Verfall nicht aufhalten. Schließlich musste die Höhle aus Sicherheitsgründen geschlossen werden; zeitweise stand sogar ihr vollständiger Abbruch zur Diskussion.

Erst das große Engagement des Freundeskreises des Botanischen Gartens Erlangen ermöglichte die dauerhafte Rettung des inzwischen als Einzeldenkmal eingestuften Bauwerks. Der Freundeskreis übernahm die Grotte für 30 Jahre in Erbpacht und damit auch die Verantwortung für ihre aufwendige Sanierung. Gemeinsam mit Fachleuten aus Denkmalpflege, Architektur, Statik und Bauforschung wurde ein Restaurierungskonzept entwickelt. Moderne Verfahren wie dreidimensionales Laserscanning ermöglichten erstmals eine präzise Erfassung der komplexen Höhlenform. Mit einer neuen Tragkonstruktion, Spritzbeton und einer dauerhaften Abdichtung gelang es schließlich, historische Substanz zu bewahren und zugleich die Stabilität des Bauwerks langfristig zu sichern.

Hundert Jahre nach ihrer Errichtung konnte die umfangreiche Restaurierung abgeschlossen werden. Für die vorbildliche denkmalgerechte Wiederherstellung wurde die Neischl-Höhle 2008 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Bronze ausgezeichnet.

Bei der Führung nehmen Roman Koch und Walter Welß die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch mehr als ein Jahrhundert. Sie erläutern die geologischen Vorbilder der Höhle, berichten von Adalbert Neischls außergewöhnlicher Idee und zeigen, mit welchen Herausforderungen die Rettung dieses besonderen Bauwerks verbunden war. Dabei eröffnet sich ein faszinierender Blick darauf, wie sich naturwissenschaftliche Vermittlung, Architektur und Denkmalpflege an einem einzigen Ort miteinander verbinden.

Eine seltene Gelegenheit, die Neischl-Höhle nicht nur von innen zu erleben, sondern auch ihre außergewöhnliche Entstehungs-, Forschungs- und Restaurierungsgeschichte kennenzulernen.