Erfolge bei der Wiederausbringung von Taraxacum geminidentatum

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Auspflanzung von 350 Pflanzen zur Stärkung der Population am Naturstandort

Der Botanische Garten Erlangen engagiert sich für die Erhaltung regional vom Aussterben bedrohter Pflanzen. Die Anlage von Erhaltungskulturen, die Stützung gefährdeter Populationen an Wildstandorten sowie die Wiederausbringung von Arten innerhalb ihres ehemals besiedelten Areals bilden einen aktuellen Schwerpunkt im Artenhilfsprogramm (AHP) Botanik in Mittelfranken. Dazu hat die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken bereits seit 2006 eine enge Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität begonnen. Bei Ex-situ-Erhaltungskulturen spielen Botanische Gärten eine zentrale Rolle. Der Botanische Garten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kultiviert seit etlichen Jahren seltene und gefährdete Arten mit dokumentierter Herkunft vor allem aus Nordbayern. Für die Stärkung der Population am Naturstandort konnte der Botanische Garten 350 Jungpflanzen von Taraxacum geminidentatum für die Wiederausbringung bereitstellen. Am Donnerstag, den 18. März 2026 war das Team des Botanischen Gartens mit bei der Auspflanzung dabei.
Neben dem Bemühen um eine optimale gärtnerische Kultur und erfolgreiche Nachzucht findet begleitend eine stetige wissenschaftliche Dokumentation der Kulturen statt. Nach erfolgten Auspflanzungen werden diese anschließend durch ein regelmäßiges wissenschaftliches Monitoring im Gelände überprüft und dokumentiert. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Wiederansiedlungs-Projekten ist die dauerhafte Sicherung der Flächen für naturschutzfachliche Zwecke sowie die Pflege und Entwicklung bestehender und neu begründeter Vorkommen im Rahmen der behördlichen Naturschutzprogramme.

Erfolge bei der Wiederausbringung am Beispiel von Taraxacum geminidentatum

Steckbrief Zwillingszähniger Löwenzahn

Taraxacum geminidentatum Hudziok (Zwillingszähniger Löwenzahn) ist ein Vertreter der ökologisch anspruchsvollen Gruppe der Sumpf-Löwenzähne. Nach derzeitigem Kenntnisstand muss die Art als in Deutschland endemisch gelten und weist hier ein Areal von Nordostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg) über Mitteldeutschland (Südost-Niedersachsen, Nord-Thüringen) und das nordwestliche Sachsen bis ins nördliche Bayern auf. Insgesamt sind bislang 14 Fundstellen der vermutlich schon immer sehr seltenen Art bekannt geworden, von denen aktuell lediglich
sechs bestätigt sind; viele ältere Nachweise gehen auf Herbarbelege, teilweise bereits aus dem 19. Jahrhundert stammend, zurück. Neben vier Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern und einer Population in Brandenburg ist T. geminidentatum rezent nur von einer Fundstelle im nördlichen Bayern (Rothsee, Mittelfranken) bekannt, wo die Art derzeit als „vom Aussterben bedroht“ (RL-Kategorie 1) gelten muss. Die Art besiedelt Flachmoore und Feuchtgrünland, des Öfteren salzbeeinflusst (Binnensalzstellen), und ist auf eine extensive und kontinuierliche Nutzung ihrer Wuchsorte in Form von Beweidung bzw. Mahd angewiesen. Auf Grund der großen Seltenheit von T. geminidentatum insgesamt sowie seinem Status als deutscher Endemit resultiert eine hohe Verantwortung für den Erhalt der Art, der sich auch Bayern mit einem von sechs aktuell bekannten Vorkommen stellen muss. Dies und die Tatsache, dass der Bestand am Rothsee in Mittelfranken in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hatte, waren Gründe genug, eine Erhaltungskultur im Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen anzulegen, um den Fortbestand der Art Ex-situ zu sichern und um mit in Kultur nachgezogenen Pflanzen populationsstützende Maßnahmen am natürlichen Wuchsort (In-situ) durchführen zu können.

Artenhilfsprogramm Botanik – Verantwortung für die Vielfalt

Das Artenhilfsprogramm Botanik (AHP) sichert Wuchsorte seltener und gefährdeter Pflanzenarten Bayerns in Mittelfranken. Zielarten sind Farn- und Blütenpflanzen der Bayerischen Roten Liste (RL) für deren Erhalt Bayern bzw. Mittelfranken eine hohe Verantwortung hat. Dies sind vom Aussterben bedrohte Arten (RL1) und stark gefährdete Arten (RL2) sowie gefährdete Arten (RL3) mit hoher naturschutzfachlicher Bedeutung für Mittelfranken. Besondere Verantwortung kommt dabei den sogenannten Endemiten zu, Sippen (Artengruppen) deren Areal weltweit auf Bayern oder nur auf Mittelfranken beschränkt ist. Für sehr seltene Pflanzenarten, deren Populationsgrößen bereits eine kritische Untergrenze erreicht haben, werden Erhaltungskulturen im Botanischen Garten angelegt.

Grundlage des AHP Botanik ist eine genaue Dokumentation der noch vorhandenen Wuchsorte nach einem bayernweit einheitlichen Standard. Darauf aufbauend werden Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der jeweiligen Art und ihres Lebensraums erarbeitet und durchgeführt. In einem begleitenden Bestandsmonitoring werden die Ergebnisse dokumentiert.

Artenhilfsprogramm Botanik